In den vergangenen Jahren hat compact große Investitionen getätigt und sich personell neu aufgestellt. Zu den Hintergründen und Zielen äußern sich Annett Gregor (Leiterin Personal & Marketing, Prokuristin) und Lutz Hering (Geschäftsführer) im Interview mit der KKA.

KKA: Geben Sie doch zu Beginn einen kurzen Steckbrief über Ihr Unternehmen ab.
Lutz Hering: compact Kältetechnik bietet seit fast 30 Jahren zuverlässige und nachhaltige Lösungen „Made in Germany“ für die Lebensmittelkühlung, die Gewerbekühlung und die Industrie. Unsere Kältetechnik-Experten fertigen an den Standorten Dresden und Scharfenstein sowohl individuell angepasste Sonder- als auch Standardlösungen. Wir begleiten und beraten unsere Kunden von der Bedarfsermittlung, über die Angebots- und Planungsphase bis zur kompletten Auftragsrealisierung. Neben den Raum-, Leistungs- und Effizienzvorgaben unserer Kunden haben wir auch die Peripherie und die Installation nach der Auslieferung vor Ort im Blick. Umweltfreundlichkeit, Nachhaltigkeit und Energieeffizienz gehören für uns zu den festen Kriterien bei der Auswahl der Anlagentechnik.

KKA: Bei compact hat es in den letzten Jahren viele Veränderungen gegeben. Wie sieht die Führungsstruktur derzeit aus?
Annett Gregor: Gegründet wurde die compact Kältetechnik GbR im Jahr 1992 durch Lutz Hering und Frank Poschmann; bei der Firmierung als GmbH war dann schon mein Vater Gerhard Gregor als Gründungsmitglied dabei. Er hat seine Firmenanteile 2016 an mich übergeben und ist seit 2017 nicht mehr aktiv im Unternehmen tätig. 2016 hat dann auch sein Nachfolger Dirk Leuteritz seine Tätigkeit als Vertriebsleiter aufgenommen. Er ist jedoch nicht neu bei compact, sondern ein „Eigengewächs“, der schon seine Ausbildung bei uns gemacht hat, viele Jahre im Vertrieb mit meinem Vater zusammengearbeitet hat und das Unternehmen, die Technik und die Branche sehr gut kennt.

Lutz Hering: Der Werdegang von Herrn Leuteritz ist übrigens ein gutes Beispiel für die Firmenphilosophie bei compact. Wir entwickeln uns mit Augenmaß und Schritt für Schritt weiter, wobei uns Kontinuität sehr wichtig ist – sowohl bei den eigenen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern als auch im Verhältnis zu unseren Kunden. Daher war es folgerichtig, dass mit Dirk Leuteritz ein Mitarbeiter aus dem eigenen Haus die Chance bekommen hat, in die Vertriebsleitung aufzusteigen. Wir müssen und wollen aber auch rechtzeitig die Weichen für die Zukunft stellen. Frank Poschmann, der bereits Ende 2019 seine Geschäftsführertätigkeit niedergelegt hat, und ich sind beide über 60 – da muss man an die Zukunft denken. Wir haben daher schon im vergangenen Jahr die Hälfte unserer Anteile übertragen. Zum einen an den Betriebsleiter unserer Niederlassung in Scharfenstein, Peter Szalai, der bereits über zehn Jahre bei uns ist. Zum anderen an Robert Lauth. Auch er hat vor über 20 Jahren bei compact seine Ausbildung begonnen und sich während seiner Tätigkeit zum Fertigungsleiter weiterentwickelt. Seit diesem Jahr hat er Verantwortung als einer der Geschäftsführer unserer Firma übernommen. Und mit Annett Gregor als Prokuristin und verantwortlich für Personal und Marketing ist das Geschäftsleitungsteam komplett. Alle Entscheidungen werden in diesem Führungsteam getroffen. Dem Generationswechsel bei compact Kältetechnik kann ich daher ganz beruhigt ins Auge sehen.

KKA: Der Fachkräftemangel ist ja ein wichtiges Thema in unserer Branche. Hat compact auch damit zu kämpfen?
Annett Gregor: Aktuell sind bei compact rund 100 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter beschäftigt, darunter 17 Azubis. Daran kann man ablesen, dass Ausbildung ein ganz wichtiges Thema für compact und ein Garant für die fachliche Qualität unserer Belegschaft ist. Wir investieren auch viel Energie in die Gewinnung guter Azubis. Wir besuchen z.B. Ausbildungsmessen in der Region, um Schülerinnen und Schüler auf unser Unternehmen aufmerksam zu machen. In Scharfenstein gelingt das allerdings fast besser als hier in Dresden, weil der Wettbewerb auf dem Arbeitsmarkt hier größer ist. Aber wir machen einen guten Job: Ein Beleg hierfür sind auch die Auszeichnungen mit dem Walter-Hartwig-Preis der Handwerkskammer Chemnitz sowie als „Vorbildlicher Ausbildungsbetrieb“ von der Handwerkskammer Dresden für exzellente Ausbildung. Fachkräfte gewinnt man aber nicht nur über die eigenen Auszubildenden. Wir kooperieren auch eng mit Hochschulen, bieten Praktika an und betreuen Diplomarbeiten, um im Bereich der Ingenieure Mitarbeiter zu finden. Das gelingt ebenso sehr gut.

KKA: Bei compact hat sich in den letzten Jahren sicher noch mehr getan außer einer Veränderung der Führungsstruktur.
Annett Gregor: Das stimmt. Wir haben in 2019 nicht nur personell die Weichen für die Zukunft gestellt. Es gab auch eine Reihe an weiteren zukunftsweisenden Maßnahmen. So haben wir eine Niederlassung in Polen gegründet und wir haben die Ausbaupläne für unseren 2004 gegründeten Standort in Scharfenstein erarbeitet und mit der Erweiterung begonnen. Dort werden viele Serienprodukte auf Lager produziert und wir hatten dort zumindest temporär immer wieder räumliche Probleme. Daher wird in Scharfenstein eine neue Lagerhalle gebaut, kombiniert mit einer Erweiterung der Fertigungsfläche und einer Modernisierung der bestehenden Räumlichkeiten. Z.B. müssen die Sanitär- und Aufenthaltsbereiche erweitert werden. Wir sind in Scharfenstein – auch durch unsere erfolgreichen Rekrutierungsmaßnahmen – ein bekannter und beliebter Arbeitgeber geworden. Begonnen haben wir dort mit vier Personen, derzeit sind es 25 – da muss man auch räumlich aufstocken. Schließlich brauchen diese und künftige Mitarbeiter ja auch einen Arbeitsplatz. Im Laufe des Jahres sollen die baulichen Maßnahmen und die damit verbundene Umstrukturierung des Standorts fertiggestellt werden. Dann kann es auch mit dem Wachstum weitergehen.

KKA: Hier in Dresden am Stammsitz hat sich aber auch einiges verändert.
Lutz Hering: Allerdings! Anfang 2018 haben wir hier eine neue Fertigungshalle und neue Bürobereiche bezogen. Am augenfälligsten ist natürlich die erweiterte Produktion – das ist wirklich ein Meilenstein für compact Kältetechnik gewesen, der uns einen richtigen Schub gegeben hat. Aber auch die Veränderung der Bürostruktur hat deutliche Vorteile mit sich gebracht. Vertrieb, Projektierung, Konstruktion, Fertigungsplanung arbeiten jetzt alle in einem Großraumbüro zusammen. Die kurzen Wege und die optimierte Kommunikation über Projekte haben die Arbeitsabläufe noch einmal spürbar verbessert.

KKA: Was hat denn dazu geführt, dass die Erweiterungen in Dresden und Scharfenstein erforderlich wurden?
Annett Gregor: Im Wesentlichen ist die positive Geschäftsentwicklung auf den Supermarktbereich zurückzuführen. Das hatte vor allem Auswirkungen auf den Standort in Scharfenstein, wo wir fast ausschließlich Produkte in Serienfertigung herstellen, die häufig in Supermärkten Einsatz finden. Da wir bei vielen Supermarktketten mittlerweile Fuß fassen konnten, entwickelt sich dieses Segment sehr gut. Hier konnten wir uns einen Namen machen und Vertrauen gewinnen – nicht zuletzt durch eine erfolgreiche Markenbildung und einen professionelleren Webauftritt. Hilfreich war auch, dass wir in den vergangenen Jahren Produktmarken entwickelt und beworben haben. Früher kannte man uns ja vor allem nur durch individuell gefertigte Sonderanlagen. Heute haben wir uns auch mit unseren Serien einen Namen gemacht. Dazu zählen z.B. „carbo-Rack“, ein CO2-Booster für typische Supermarktanwendungen; „c-greyline“, eine Standardbaureihe im Baukastensystem; „carboX“, ein CO2-Gaskühlersatz zur Erweiterung bestehender Systeme für Normalkühlung sowie „cab“, Ammoniak-Kältemaschinen mit offenen Schraubenverdichtern. Wir stehen stabil auf zwei Beinen: der Serienfertigung und dem Sonderanlagenbau, den wir nach vor mit gleicher Intensität betreiben.

Lutz Hering: Grundsätzlich spielt uns der Trend hin zur stärkeren Verwendung natürlicher Kältemittel in die Karten. Ein Ende dieser Entwicklung ist übrigens derzeit nicht abzusehen.
Auch wenn wir Anlagen mit synthetischen Kältemitteln bauen, unser Kerngeschäft sind Kältesätze mit natürlichen Kältemitteln – CO2, NH3 und Propan. Der derzeitige Anteil an Anlagen mit natürlichen Kältemitteln, die unser Haus verlassen, liegt derzeit bei etwa 75 %. Hier liegen vor allem unser Know-how und unsere Stärke. Und wenn ein Kunde Anlagen mit einem natürlichen Kältemittel haben möchte, setzen viele eben auf einen Spezialisten mit langjährigem Know-how. Wir haben uns schon frühzeitig für die Entwicklung und den Bau von CO2-Anlagen entschieden und entsprechende Erfahrungen sammeln können. Bereits 2012 haben wir einen eigenen Schulungsbereich für CO2-Anlagen für Kunden und Mitarbeiter eingerichtet. Dort finden auch unsere Forschung und Entwicklung statt. Ein Resultat dieser Forschungsarbeit ist beispielsweise die hauseigene Ejektortechnik „c-Ejektor“. Diese frühe Investition zahlt sich jetzt aus. Ich bin wirklich stolz auf die Entwicklung der compact Kältetechnik GmbH in den vergangenen Jahren.
Und unsere Arbeit wird auch ganz offiziell gewürdigt: Mit dem Projekt „Biotest Next Level“ konnten wir uns gemeinsam mit der Klima-Kälte-Reinraum GmbH in der Ausschreibung zum Chillventa-Award 2018 mit der Umsetzung eines zukunftsweisenden Kälteprojektes in einem Pharmazieunternehmen mit natürlichen Kältemitteln erfolgreich durchsetzen.

KKA: Beim Rundgang durch die Fertigung ist mir die hohe Fertigungstiefe in der Produktion aufgefallen. Wäre es nicht günstiger, hier mehr auf Zulieferer zu setzen?
Annett Gregor: Natürlich haben wir für viele Komponenten unsere verlässlichen Lieferanten, aber überall, wo es möglich ist, fertigen wir unsere Anlagen selbst, um die Qualität im Griff zu haben. Ein Beispiel hierfür ist unsere eigene Gestell-Fertigung und die hausinterne Lackierung. Je mehr Arbeitsschritte man selbst beeinflussen kann, umso schneller und besser ist es uns auch möglich auf Kundenwünsche einzugehen und diese zeitnah umzusetzen. Die Fertigungstiefe in unserer Produktion ist vor allem für den Sonderanlagenbau existentiell wichtig und aus unserer Sicht ein Wettbewerbsvorteil.

Lutz Hering: Das ermöglicht uns ein Höchstmaß an Flexibilität. Überspitzt formuliert ändert der Kunde manchmal seine Anlage, bis sie auf den Lkw verladen wird. Wenn man zu viele Arbeitsvorgänge ausgelagert hat, kann man nicht mehr schnell genug reagieren und es würde unverhältnismäßig teuer werden. Das kann man nur mit einer hohen Fertigungstiefe in den Griff bekommen. Ein nettes Beispiel hierfür ist eine Anlage, die wir kürzlich ausgeliefert haben. Die Kältetechnik ist eigentlich nichts Außergewöhnliches. Aber der Maschinenraum, in den die Anlage hineinmusste, ist nur eine bessere Besenkammer und auch noch im 2. Stock des Gebäudes. Die Einbringung der Maschine musste über ein Fenster erfolgen. Hierfür haben wir die Anlage bei uns im Werk errichtet und danach in mehrere Einzelmodule zerlegt, die dann vor Ort wieder zusammengefügt werden konnten. Mit Geräten von der Stange und einer Standardproduktion kann der Betreiber ein solches Projekt nicht umsetzen. Die Flexibilität kommt uns sogar im Supermarktbereich zugute. Viele Endkunden haben gut laufende Märkte in Altstadtlagen, wo der Platz für die Technik begrenzt ist und man nur mit Sonderanlagen punkten kann.

Annett Gregor: In solche Projekte steckt man dann zwar meist mehr Zeit und Arbeit hinein, als man wirklich vergütet bekommt. Aber wenn so ein Projekt funktioniert, hat man beim nächsten Auftrag als Anbieter die besseren Chancen. Ein Kunde hat es mal sehr treffend formuliert: compact Kältetechnik, das sind für mich „die Möglichmacher“ – ein tolles Lob.

 

           

Die Hohe Fertigungstiefe in der Produktion ist vorallem               Vertrieb, Projektierung, Konstruktion, Fertigungsplanung
für den Sonderanlagenbau existentiell wichtig.                                arbeiten bei compact eng zusammen; links: Vertriebsleiter Dirk Leuteritz

 

Dieser Artikel wurde in der Ausgabe 3/2020 der Kälte Klima Aktuell (KKA) veröffentlicht: www.kka-online.info/artikel/kka_Die_Moeglichmacher